Zum Inhalt springen
CodexMythologia
← Zurück zum Kodex
Porträt von Agni, hinduistische Gottheit
Hinduistisch

Agni

Der Gott des heiligen Feuers

Bereich
Feuer und Opfer
Ausrichtung
Neutral und Gut
Element
Feuer
Relikt
Flamme der Opfer
Mit Agni sprechen

Mythologische Studie · Deutsch

Überarbeitet am

01

In Kürze

Agni (अग्नि) ist die höchste Gottheit des Feuers, der Urwärme, der alchemistischen Verwandlung und des Priestertums in der vedischen Religion und im klassischen Hinduismus. Als unermüdlicher himmlischer Bote und Mund der Götter (Havyavahana) empfängt er die Opfergaben aus geklärter Butter (Ghee), die auf dem irdischen Opferaltar dargebracht werden, und trägt sie, zu reinem Licht verfeinert, durch seine sieben knisternden Flammenzungen in die himmlischen Sphären. Er nimmt den höchsten Ehrenplatz in der alten heiligen Literatur Indiens ein: Der „Rigveda Samhita“ eröffnet seinen allerersten Vers mit der unsterblichen Anrufung „Agnim ile purohitam“ („Ich preise Agni, den Hauspriester des Opfers“). Er manifestiert sich auf drei grundlegenden kosmischen Ebenen – als Opferfeuer auf der Erde (Pavaka), als Blitz in den Wolken der Atmosphäre (Vidyut) und als strahlende Sonne am Himmel (Surya). Ebenso bestimmt er die Lebenskraft des Menschen durch „Jatharagni“, das innere Verdauungs- und Stoffwechselfeuer, das im Grundlagenwerk der Medizin, der „Charaka Samhita“ (15.3–5), als biologische Basis von Leben, Kraft und Immunität gefeiert wird. Im Epos „Mahabharata“ (Adi Parva 221–225) erneuert Agni seine kosmische Kraft, indem er mit der heldenhaften Hilfe von Krishna und Arjuna den mystischen Khandava-Wald verzehrt; im „Ramayana“ (Yuddha Kanda 118) geht er unversehrt aus den Flammen hervor, die tugendhafte Königin Sita in seinen Armen haltend, um nach der Belagerung von Lanka ihre makellose Treue vor aller Welt zu bezeugen. Als unbestechlicher Zeuge aller hinduistischen Sakramente (Agnisakshi) erlangt eine traditionelle Ehe geistliche und rechtliche Gültigkeit erst, wenn das Brautpaar die sieben feierlichen Schritte (Saptapadi) um seine lebendigen Flammen vollzieht. So festigt sich seine Gegenwart von den Geburtsriten bis zur letzten Einäscherung auf den Scheiterhaufen von Varanasi.

02

Das Volk

Volk
Hindu-Völker
Region
Indischer Subkontinent
Zeitraum
um 1500 v. Chr. – Gegenwart

Die hinduistischen Gottheiten werden seit über dreitausend Jahren auf dem indischen Subkontinent verehrt, von den vedischen Hymnen bis zum heute lebendigen Hinduismus. Milliarden Gläubige widmen ihnen Tempel, Feste wie Diwali und Holi sowie tägliche Rituale im Haus. Es ist eine der größten religiösen Traditionen, die heute noch praktiziert werden.

Diwali erleuchtet Indien mit Lampen zu Ehren der Lakshmi, und Holi feiert den Frühling mit Wolken aus buntem Pulver. Beim Kumbh Mela, der größten Pilgerfahrt der Erde, baden Dutzende Millionen in den heiligen Flüssen, und die tägliche Puja bringt Blumen, Räucherwerk und Speisen zu den Altären.

Name und Originalsprache

Der Sanskrit-Gottesname Agni (अग्नि) stammt von der indogermanischen Wurzel h₁n̥gʷnís ab, die das aktive, lebendige göttliche Feuer bezeichnet, im Gegensatz zur unbelebten Substanz der brennenden Materie.

The rest of this scroll is sealed

The legends, the myth, the cult and relics are part of the full Codex. You can open 1 full entry for free every day; to open all 500 deities with no limits and no ads, subscribe to Codex PRO.

See Codex PROGet it on Google Play

Belegte Beinamen

Havyavahana (हव्यवाहन) Der Träger der Opfergaben, göttlicher Bote, der die auf dem Altar vergossenen Gaben sammelt und zu den himmlischen Göttern emporhebt. Rigveda (Mandala 1, Hymne 12) und Mahabharata.

In den antiken Quellen

Rigveda Samhitā (ऋग्वेद संहिता), ca. 1500–1200 v. Chr.. Enthält über zweihundert Hymnen, die vollständig Agni geweiht sind, und macht ihn zur ersten Stimme und zum Grundstein des gesamten vedischen Kanons.

Die Mythen

Die heilige Geburt in den Arani-Hölzern und die Vereinigung des Feuers. Wie in den liturgischen Hymnen des „Rigveda“ (Mandala 3, Hymne 29) überliefert, geht die Erscheinung Agnis auf der Erde aus der rituellen Vereinigu…

Kult und Archäologie

Die Verehrung Agnis bildet den pulsierenden und beständigen Kern der gesamten orthodoxen hinduistischen Liturgie.

Ikonografie

Die traditionelle Ikonografie Agnis ist ausführlich im „Matsya Purana“ und im „Agni Purana“ festgelegt. Er wird als kräftiger Gott im mittleren Alter dargestellt, mit feuerroter oder strahlend goldener Haut, mit zwei Kö…

09

Heilige Symbole

Die Flammen, der Widder, die zwei Gesichter und die sieben Feuerzungen

10

Familie und Genealogie

Eltern
Dyaus Pita (the Sky Father) and Prithvi Mata (Earth Mother); in priestly ritual symbolism, generated by the sacred friction of the two wooden firesticks (Arani)
Geschwister
Indra (lord of atmospheric lightning) and Surya (light of the cosmic sun), forming the primordial Vedic cosmic triad
Verbindungen
Svaha (personification of the sacred utterance used to pour oblations to the gods) and Svadha (presiding over funeral offerings to ancestral Pitris)
Kinder
Pavaka (purifying earthly fire from friction), Pavamana (atmospheric fire of lightning and winds), and Shuchi (pure solar fire of heaven); and, as bearer of Shiva's fiery seed, father of martial deity Kartikeya (Skanda)

Rigveda 1.1, 1.26, 3.29, 10.51; Shatapatha Brahmana 2.1.2; Mahabharata 1.221-225; Mundaka Upanishad 1.2.4; Charaka Samhita, Chikitsasthana 15

Debatten und Grenzen der Quellen

Die Lehre von der dreifachen Geburt und die drei Feuer des Shrauta. Anerkannte Gelehrte wie Arthur Anthony Macdonell und Jan Gonda haben die tiefgründige vedische Lehre von der dreifachen Geburt Agnis untersucht.

Spätere Rezeption

Agni bewahrt seine unveränderte Lebenskraft im Alltag, in den häuslichen Ritualen und in der Kultur des heutigen Indien.

Belegte Besonderheiten

Der „Rigveda Samhita“, das älteste erhaltene literarische Werk der indogermanischen Sprachfamilie, beginnt förmlich mit dem Vers: „Agnim īḻe purohitam“ („Ich preise Agni, den Ur-Priester“).

Reliquien der Macht

Flamme der Opfer Das rituelle Feuer, das die Opfergaben der Menschen zu den Göttern trägt, Bote zwischen zwei Welten. Sammlerstück aus Codex Mythologia, inspiriert von den Attributen der Gottheit.

15

Quellen und Literatur

Primärquellen

  • Vários rishis védicos, Rigveda Samhitā (ऋग्वेद संहिता). Stephanie W. Jamison e Joel P. Brereton (Oxford University Press, 2014) / Ralph T. H. Griffith (1896). Quelle ansehen
  • Yajnavalkya e a tradição Vajasaneyi, Śatapatha Brāhmaṇa (शतपथ ब्राह्मण - Agnihotra e Agnicayana). Julius Eggeling, Sacred Books of the East (vols. 12, 26, 41, 43, 44, 1882–1900). Quelle ansehen
  • Tradição Védica Atharvaveda, Muṇḍaka Upaniṣad (मुण्डक उपनिषद्). Patrick Olivelle, Upaniṣads (Oxford World's Classics, 1996) / Swami Gambhirananda. Quelle ansehen
  • Krishna Dvaipayana Vyasa, Mahābhārata (महाभारत - Adi Parva e Vana Parva). Kisari Mohan Ganguli (1883–1896) / J. A. B. van Buitenen (1973). Quelle ansehen
  • Agnivesha e Maharishi Charaka, Caraka Saṁhitā (चरक संहिता - Cikitsāsthāna 15). R. K. Sharma e Bhagwan Dash (Chowkhamba Sanskrit Series, 2002). Quelle ansehen

Studien und Literatur

  • Arthur Anthony Macdonell, Vedic Mythology. Karl J. Trübner, 1897. Quelle ansehen
  • Jan Gonda, The Dual Deities in the Religion of the Veda. North-Holland Publishing Company, 1974. Quelle ansehen
  • Stephanie W. Jamison and Joel P. Brereton, The Rigveda: The Earliest Religious Poetry of India. Oxford University Press, 2014. Quelle ansehen
  • Frits Staal, Agni: The Vedic Ritual of the Fire Altar. Asian Humanities Press, 1983. Quelle ansehen
  • Heinrich Zimmer, Myths and Symbols in Indian Art and Civilization. Princeton University Press, 1946. Quelle ansehen