Zum Inhalt springen
CodexMythologia
← Zurück zum Kodex
Porträt von Eos, griechische Gottheit
Griechisch

Eos

Die rosenfingrige Morgenröte

Bereich
Morgenröte, Morgen und Erneuerung
Ausrichtung
Neutral und gut
Element
Licht
Relikt
Wagen des Morgens
Mit Eos sprechen

Mythologische Studie · Deutsch

Überarbeitet am

01

In Kürze

Eos (altgriechisch Ἠώς) ist in der griechischen Mythologie die göttliche Personifikation der Morgenröte und des aufsteigenden Morgenlichts. Als Angehörige der zweiten Titanengeneration ist sie die Tochter des Hyperion und der Theia sowie die leibliche Schwester von Helios (der Sonne) und Selene (dem Mond). Wie in der homerischen Epik überliefert, besteht ihre tägliche kosmische Aufgabe darin, aus den tiefen Strömen des Okeanos und vom Lager ihres Gemahls Tithonos aufzusteigen, um die Schatten der Nacht zu vertreiben und die himmlischen Tore zu öffnen, bevor der strahlende Wagen ihres Bruders den Himmel hinaufzieht. In der frühen Epik wird Eos an den formelhaften Beinamen „rosenfingrig“ (rhododáktylos) und „safrangewandet“ (krokópeplos) erkannt, die die rötlichen und bernsteinfarbenen Töne am Morgenhorizont evozieren. Ihre göttliche Abstammung und ihre Leidenschaften nehmen einen herausragenden Platz in der griechischen Sagenüberlieferung ein: Mit dem Titanen Astraios zeugte sie die himmlischen Winde (Boreas, Zephyros und Notos) und die Gestirne, die den Tagesanbruch ankündigen, allen voran den Morgenstern Eosphoros. Berühmt für ihre Verliebtheit in sterbliche Jünglinge und außergewöhnliche Helden — eine Leidenschaft, die spätere Mythographen auf einen von Aphrodite verhängten Fluch zurückführten, nachdem Eos mit Ares geschlafen hatte —, entführte sie Orion, Kephalos, Kleitos und Tithonos. Im Trojanischen Krieg erreichte ihr mythologischer Weg einen tragischen Höhepunkt im Schicksal ihres Sohnes Memnon, des Königs der Äthiopier, der Priamos zu Hilfe kam: Nachdem er im Zweikampf von Achilleus erschlagen worden war, während sein Schicksal auf Zeus’ goldener Waage des Todes (Psychostasie) gewogen wurde, barg Eos seinen blutbefleckten Leichnam von der Ebene und weinte bittere Tränen, die die archaische Dichtung mit den funkelnden Tautropfen identifizierte, die die Erde jeden Morgen benetzen.

02

Das Volk

Volk
Alte Griechen
Region
Griechenland und Mittelmeerraum
Zeitraum
8. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.

Die olympischen Götter wurden von den Stadtstaaten des antiken Griechenlands verehrt, von Athen bis Sparta, die ihnen Tempel wie den Parthenon errichteten. Sie herrschten vom Gipfel des Olymp aus, lenkten jeden Lebensbereich und wurden bei Festen wie den Olympischen Spielen gefeiert. Homer und Hesiod hielten ihre Mythen fest, die die gesamte abendländische Kultur prägten.

Die Olympischen Spiele fanden alle vier Jahre zu Ehren des Zeus statt, und die Panathenäen feierten Atena in Athen. Die Mysterien von Eleusis weihten die Gläubigen in die Geheimnisse von Demeter und Persephone ein, während Menschenmengen das Orakel des Apollon in Delphi befragten.

Name und Originalsprache

Der griechische Gottesname Ēṓs (Ἠώς im ionischen und epischen Griechisch; Ἕως im Attischen; Ἀώς im Äolischen; Ἀώς oder Ἀϝώς im archaischen Dorischen) geht auf die indogermanische Wurzel h₂éwsōs (Varianten h₂wes-) zurück…

The rest of this scroll is sealed

The legends, the myth, the cult and relics are part of the full Codex. You can open 1 full entry for free every day; to open all 500 deities with no limits and no ads, subscribe to Codex PRO.

See Codex PROGet it on Google Play

Belegte Beinamen

Rhododáktylos Rosenfingrig, eine lyrische und homerische Formel, die die feinen rötlichen Strahlen des Morgenlichts beschreibt, die sich ihren Weg durch die Wolkendecke bahnen.

In den antiken Quellen

Theogonie (Hesiod), um 700 v. Chr.. Stellt die archaische genealogische Grundstruktur der Eos dar, ihre kosmische Verbindung mit Astraios und ihre heroischen Nachkommen. Ilias und Odyssee (Homer), 8.–7. Jahrhundert v.

Die Mythen

Die Liebe zu Tithonos und der Fluch der ewigen Hinfälligkeit. Wie im Homerischen Hymnus an Aphrodite kanonisch überliefert, verliebte sich Eos heftig in die edle Schönheit des jungen trojanischen Prinzen Tithonos, Sohn…

Kult und Archäologie

Anders als große olympische Gottheiten wie Apollon oder Athena besaß Eos im klassischen Griechenland kein dichtes Netz eigenständiger Stadttempel und keine exklusiven Priesterschaften.

Ikonografie

In der griechischen Vasenmalerei des 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. – besonders auf attischen Schwarzfigur- und Rotfigurhydrien, Kratern und Kylikes – wird Eos als geflügelte Göttin von strahlender Anmut dargestellt, mi…

09

Heilige Symbole

Die Morgenröte, der Wagen, der Tau und der safrangelbe Schleier

10

Familie und Genealogie

Eltern
Hyperion (Titan of primeval celestial fire) and Theia (Titaness of radiant light and clear sight)
Geschwister
Helios (the personified sun traversing the vault in his golden chariot), Selene (the white-winged moon goddess illuminating nocturnal paths)
Verbindungen
Astraeus (the Titan of stars and astronomical twilight), Tithonus (Trojan prince abducted by Eos who obtained immortality but not ageless youth), Cephalus (Athenian huntsman son of Deioneus or Hermes, beloved and abducted by the goddess), Orion (giant huntsman sheltered in Delos whose romance with the goddess aroused Artemis's jealousy)
Kinder
With Astraeus: the Wind gods (Zephyrus of the west, Boreas of the north, and Notus of the south) and the morning star Eosphorus (Phosphorus), alongside the glittering stars of the firmament, With Tithonus: Memnon (heroic king of the Ethiopians slain on the Trojan plain) and Emathion (mythical ruler of Arabia), With Cephalus: Phaethon (radiant youth appointed as divine temple guardian in the Hesiodic Theogony)

Hesíodo, Teogonia (vv. 371–382, 984–991); Homero, Ilíada (XI.1–2, XIX.1–2); Homero, Odisseia (V.1–2, V.121–124, XV.250–251, XXIII.241–246); Hino Homérico a Afrodite (V.218–238); Píndaro, Píticas (VI.30–35); Pausânias, Descrição da Grécia (I.3.1, III.18.12, V.22.2); Apolodoro, Biblioteca (I.4.4, III.12.4); Martin L. West, Indo-European Poetry and Myth (2007); Karl Kerényi, The Gods of the Greeks (1951)

Debatten und Grenzen der Quellen

Der Fluch der Aphrodite gegen die astronomische Hypothese der Liebhaber. Späte Mythographen wie der Pseudo-Apollodor (Bibliothek I.4.4) berichten, Eos’ unersättliche Sehnsucht nach sterblichen Geliebten sei auf einen Fl…

Spätere Rezeption

Eos inspirierte lyrische und tragische Dichter von Sappho bis Aischylos und wurde in Rom unter dem Namen Aurora verehrt.

Belegte Besonderheiten

In der Odyssee Homers (Gesang XXIII, Verse 241–246) verlängert die Göttin Athene auf wundersame Weise die nächtliche Wiederbegegnung von Odysseus und Penelope, indem sie die Nacht im Westen zurückhält und verhindert, da…

Reliquien der Macht

Wagen des Morgens Der Wagen, den lichte Pferde ziehen, mit dem sie die Dunkelheit zerreißt und das Kommen der Sonne verkündet. Sammlerstück aus Codex Mythologia, inspiriert von den Attributen der Gottheit.

15

Quellen und Literatur

Primärquellen

  • Hesiod von Askra, Theogonie (Verse 371–382: Verzeichnis der zeugenden Titanen und Geburt der Winde mit Astraios; Verse 984–991: Nachkommen der Eos und des Tithonos). Zweisprachige Ausgabe mit philologischen Anmerkungen von Christian Werner (São Paulo: Hedra).
  • Homer, Ilias (Gesang XI.1–2, XIX.1–2) und Odyssee (Gesang V.1–2, V.121–124, XXIII.241–246). Metrische Übersetzung und kontextuelle Anmerkungen von Haroldo de Campos, Editora Mandarim.
  • Homerische Hymnen, Hymnus V an Aphrodite (Verse 218–238: klassische Erzählung vom Raub des Tithonos und seinem unaufhaltsamen Altern). The Homeric Hymns: Translation, with Introduction and Notes by Diane J. Rayor (University of California Press).
  • Pausanias der Periegete, Beschreibung Griechenlands (Buch I, 3.1: athenische Gemälde des Kephalos; Buch III, 18.12: Amyklai; Buch V, 22.2: Denkmal der Eos in Olympia). Pausanias Description of Greece with an English Translation by W. H. S. Jones (Loeb Classical Library, Harvard).

Studien und Literatur

  • Martin Litchfield West, Indo-European Poetry and Myth. Oxford University Press, 2007.
  • Karl Kerényi, The Gods of the Greeks. London: Thames and Hudson, 1951.
  • Walter Burkert, Greek Religion: Archaic and Classical. Harvard University Press, 1985.
  • Timothy Gantz, Early Greek Myth: A Guide to Literary and Artistic Sources. Johns Hopkins University Press, 1993.