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CodexMythologia
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Porträt von Ranginui, polynesische Gottheit
Polynesisch

Ranginui

Himmelsvater

Bereich
Himmel, Schöpfung
Ausrichtung
Neutral Gut
Element
Luft
Relikt
Himmelsgewölbe
Mit Ranginui sprechen

Mythologische Studie · Deutsch

Überarbeitet am

01

In Kürze

Ranginui (oft abgekürzt als Rangi, in der traditionellen Māori-Kosmologie Aotearoas als Großer Himmelsvater personifiziert) ist die männliche Personifikation des Himmelsgewölbes und der Urvater aller göttlichen und menschlichen Abstammungslinien, zusammen mit seiner Gemahlin Papatūānuku (der Mutter Erde). In der archaischen kosmogonischen Erzählung, überliefert in den mündlichen Traditionen der Stämme der Nordinsel und der Südinsel, verharrten Ranginui und Papatūānuku in einer ständigen, engen körperlichen Umarmung (te awhitanga) und hielten ihre zahlreichen übernatürlichen Kinder (ngā atua) in der absoluten Finsternis der Urnacht (Te Pō) gefangen. Unfähig, sich zu erheben oder in dem erstickenden Spalt zwischen den Elternkörpern zu gedeihen, debattierten die Kinder über ihr Schicksal und beschlossen, die Trennung der Eltern zu erzwingen. Während der Kriegsgott Tūmatauenga den Vatermord vorschlug, setzte sich die Strategie Tāne Mahutas durch, des Gottes der Wälder, der seinen Rücken gegen die Erde stemmte und den Himmel mit den Beinen wegstieß, die Bande zerriss, die sie hielten, und Ranginui in die unendlichen Höhen hob, um den Einlass des Lichts (Te Ao Mārama) zu ermöglichen. Der Schmerz der ewigen Trennung erzeugte fortwährende Wettererscheinungen: Die Tränen, die Ranginui vergießt, fallen als Regen, Tau (hau) und Reif auf Papatūānuku, während die warmen Seufzer aus der Brust der Mutter Erde als Morgennebel (kohu) in die Höhe steigen. Später, bewegt von der Blöße des im dunklen Firmament isolierten Vaters, suchte Tāne die funkelnden Sterne und befestigte sie auf Ranginuis Brust wie einen leuchtenden königlichen Mantel.

02

Das Volk

Volk
Polynesische Völker
Region
Inseln des Pazifiks
Zeitraum
um 1000 v. Chr. – Gegenwart

Die polynesischen Götter wurden von den Seefahrern verehrt, die die Inseln des Pazifiks besiedelten, von Hawaii bis Neuseeland und zur Osterinsel. Man ehrte sie auf heiligen Plattformen (Marae) und im Konzept des Mana, der geistigen Kraft. Ihre Mythen, etwa die des Helden Maui, werden noch heute unter Maori und Hawaiianern erzählt.

Auf den Marae, heiligen Steinplattformen, brachten Priester Erstlingsgaben dar und riefen die Götter vor Fischfang und Krieg an. Das Kapu-System (Tabu) regelte, was heilig und verboten war, und auf Hawaii entstand der Hula als religiöser Tanz für Göttinnen wie Pele und Laka.

Name und Originalsprache

Der Gottesname setzt sich aus dem maorischen Gattungswort rangi (das „Himmel“, „Firmament“, „Himmelsgewölbe“, „Wetter“ oder „Tag“ bezeichnet) und dem Adjektiv nui (das „groß“, „ungeheuer“, „weit“ oder „höchst“ bedeutet)…

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Belegte Beinamen

Ranginui e tū iho nei Großer Himmel, der sich darüber erhebt; klassische kosmologische Formel der Māori, die die Herrschaft des Firmaments über die Erde festschreibt.

In den antiken Quellen

Polynesian Mythology, and Ancient Traditional History of the New Zealand Race, 1855. Grundlegendes Werk von Sir George Grey, das die Māori-Manuskripte des Häuptlings Wiremu Maihi Te Rangikāheke über die kosmische Umarmu…

Die Mythen

Die Urumarmung und die Beratung der Kinder in der Nacht. Wie in den Manuskripten von Wiremu Maihi Te Rangikāheke festgehalten und 1855 von Sir George Grey veröffentlicht, blieben Himmel (Rangi) und Erde (Papa) seit Anbe…

Kult und Archäologie

Anders als die polytheistischen Religionen des Mittelmeerraums, die monumentale Tempel mit Kultstatuen himmlischer Gottheiten errichteten, brachte die religiöse Tradition der Māori Ranginui keine regelmäßigen Tieropfer…

Ikonografie

In der materiellen Kultur der Māori wird Ranginui nicht als isolierte geschnitzte Figur oder tragbares Idol dargestellt, denn seine Gestalt ist das Gewölbe des offenen Himmels selbst.

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Heilige Symbole

Der Himmel, die Sterne, der Regen und der Tau

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Familie und Genealogie

Verbindungen
Papatūānuku (the primordial Earth Mother, joined in the primal embrace), Poharua-te-pō (in South Island Kāi Tahu tradition recorded by Wohlers)
Kinder
Tāne Mahuta (god of forests and birds, responsible for separating heaven and earth), Tangaroa (god of the oceans and sea beings), Tāwhirimātea (god of winds and storms, who followed his father to the sky), Tūmatauenga (god of war and human struggle), Rongomātāne (god of peaceful agriculture and the sweet potato / kūmara), Haumia-tiketike (god of wild uncultivated foods and fern roots), Rūaumoko (god of earthquakes and volcanoes, the child nursing at Earth's breast)

Sir George Grey, Polynesian Mythology (1855); Edward Shortland, Maori Religion and Mythology (1882); H. T. Whatahoro e S. Percy Smith, The Lore of the Whare-wānanga (1913); Elsdon Best, Maori Religion and Mythology (1924)

Debatten und Grenzen der Quellen

Die Echtheit der Io-Matua-Kore-Überlieferung gegenüber dem Urpantheon von Rangi und Papa. Eine der lebhaftesten Debatten in der Anthropologie und in den Māori-Studien dreht sich um die esoterischen Texte, die H. T.

Spätere Rezeption

In der zeitgenössischen neuseeländischen Gesellschaft und in der kulturellen Wiedergeburt der Māori (Te Reo Māori Renaissance) nimmt Ranginui einen unveräußerlichen Ehrenplatz ein als höchstes Symbol kosmischer Integrit…

Belegte Besonderheiten

In der traditionellen Māori-Dichtung wurden sanfter Regen und Morgentau niemals bloß als Wetterphänomene betrachtet, sondern als „ngā roimata o Ranginui“, die Tränen der Sehnsucht, die der Himmel unablässig über den Kör…

Reliquien der Macht

Himmelsgewölbe Das Firmament selbst, dessen Tau und Regen die ewigen Tränen um seine getrennte Geliebte sind. Sammlerstück aus Codex Mythologia, inspiriert von den Attributen der Gottheit. Kein historisches Artefakt.

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Quellen und Literatur

Primärquellen

  • Grey, Sir George, Polynesian Mythology, and Ancient Traditional History of the New Zealand Race. London: John Murray, Albemarle Street, 1855. Quelle ansehen
  • Shortland, Edward, Maori Religion and Mythology: With Notes on the Land Tenure of the New Zealanders. London: Longmans, Green, and Co., 1882. Quelle ansehen
  • Whatahoro, H. T. / Smith, S. Percy (trans.), The Lore of the Whare-wānanga; or Teachings of the Maori College on Religion, Cosmogony, and History (Part I: Te Kauwae-runga). New Plymouth: Polynesian Society, 1913. Quelle ansehen

Studien und Literatur

  • Tregear, Edward, The Maori-Polynesian Comparative Dictionary. Wellington, N.Z.: Lyon and Blair, Lambton Quay, 1891. Quelle ansehen
  • Best, Elsdon, The Maori As He Was: A Brief Account of Maori Life as it Was in Pre-European Days. Wellington: Dominion Museum, 1924. Quelle ansehen