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CodexMythologia
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Porträt von Ryujin, japanische Gottheit
Japanisch

Ryujin

Der Drachenkönig der Meere

Bereich
Meer, Drachen und Gezeiten
Ausrichtung
Chaotisch und Neutral
Element
Wasser
Relikt
Gezeitenjuwelen
Mit Ryujin sprechen

Mythologische Studie · Deutsch

Überarbeitet am

01

In Kürze

Ryūjin (龍神, „Drachengott“), im archaischen Shintō unter der kanonischen Bezeichnung Ōwatatsumi-no-Kami (大綿津見神, „Der große göttliche Geist der Meere“) verehrt, ist der oberste Herrscher über die Ozeane, die Meeresstürme und die Wasserwesen in Japan. Im prächtigen Unterwasserpalast Ryūgū-jō, der aus roten Korallen und Kristallen in den Tiefen des Ozeans errichtet wurde, thronend, lenkt er die Meeresströmungen und die kosmischen Gezeiten mithilfe zweier magischer Juwelen: des Juwels der steigenden Flut (Shiomitsu-tama / Manju) und des Juwels der fallenden Flut (Shiohiru-tama / Kanju). Seine mythisch-dynastische Erzählung ist im „Kojiki“ (712 n. Chr.) und im „Nihon Shoki“ (720 n. Chr.) richtungweisend: Er nahm den himmlischen Prinzen Hoori (Yamasachihiko) in seinem abgründigen Reich auf, holte den verlorenen heiligen Angelhaken zurück und gab ihm seine Tochter Toyotama-hime zur Ehe; aus dieser Verbindung ging Ugayafukiaezu hervor, der Vater des Kaisers Jinmu, sodass Ryūjin zum direkten mütterlichen Ahnherrn der gesamten japanischen Kaiserdynastie wurde. Als göttlicher Schutzherr der Seefahrer und des archaischen Seefahrerclans der Azumi (im Schrein Shikaumi Jinja) geehrt, verschmolz seine Gestalt im Mittelalter mit den buddhistischen Drachenkönigen (Nāgarāja) und mit den volkstümlichen Mythen von Urashima Tarō und Tawara Tōda.

02

Das Volk

Volk
Japaner
Region
Japanischer Archipel
Zeitraum
um 500 v. Chr. – Gegenwart

Die Kami des Shintō werden in Japan seit undenklichen Zeiten verehrt, in Tausenden von Schreinen auf dem ganzen Archipel. Die Kaiserfamilie beansprucht direkte Abstammung von der Sonnengöttin Amaterasu, und der Kult lebt neben dem vom Festland gekommenen Buddhismus weiter. Feste (Matsuri) und Reinigungsriten halten diesen Glauben bis heute lebendig.

Die Matsuri füllen die Straßen mit Prozessionen tragbarer Schreine (Mikoshi), Trommeln und Tänzen. Der große Schrein von Ise, Amaterasu geweiht, wird alle zwanzig Jahre neu errichtet, und beim Hatsumōde besuchen Millionen zum Neujahr die Schreine, um Segen zu erbitten.

Name und Originalsprache

Der Gottesname Ryūjin (龍神) setzt sich aus den Schriftzeichen „Ryū“ (龍/竜, der mythische wasserbewohnende Drache) und „Jin“ oder „Kami“ (神, göttlicher Geist oder shintoistische Gottheit) zusammen.

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Belegte Beinamen

Owatatsumi-no-Kami (大綿津見神) Große souveräne Gottheit des kosmischen Ozeans, ursprünglicher archaischer Hoftitel. Kojiki (Buch 1, Abschnitte 6 und 40) und Nihon Shoki (Buch 1).

In den antiken Quellen

Kojiki (古事記), 712 n. Chr.. Dokumentiert den Abstieg Hooris in den Palast Watatsumis, die Übergabe der Gezeitenjuwelen und die Verwandlung Toyotama-himes in einen Wani. Nihon Shoki (日本書紀), 720 n. Chr..

Die Mythen

Hooris Abstieg in den Unterwasserpalast und das Bündnis mit Watatsumi. Wie das „Kojiki“ (Abschnitte 40 und 41) ausführlich berichtet, saß der himmlische Jäger Hoori nach dem Verlust des magischen Angelhakens seines älte…

Kult und Archäologie

Die Verehrung Ryūjins unter seinen einheimischen shintoistischen Gestalten Ōwatatsumi und der Dreiheit der Watatsumi (Sokotsu, Nakatsu und Uwatsu) ist uralt und hat sich über alle Küstengemeinschaften und Fischerhäfen J…

Ikonografie

In der traditionellen japanischen Ikonografie, auf den Wandmalereien der Tempel und in den Holzschnitten des Ukiyo-e wird Ryūjin in zwei sich ergänzenden Darstellungsweisen gezeigt.

09

Heilige Symbole

Der schlangengleiche Drache, die Gezeitenjuwelen, der Unterwasserpalast und die Schildkröte

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Familie und Genealogie

Eltern
Izanagi-no-Mikoto (primordial demiurge who generated sea kami during creation and lustral purification), Izanami-no-Mikoto (co-creator goddess of the archipelago and primordial waters)
Kinder
Toyotama-hime (Luminous Jewel Princess, mother of Ugayafukiaezu who transformed into a wani during birth), Tamayori-hime (younger sister of Toyotama-hime, guardian who raised her nephew and bore Emperor Jimmu)

Kojiki 1.6, 1.11, 1.40-44; Nihon Shoki 1.17, 2.22-25, 9; Manyoshu 9.1740; Otogizoshi

Debatten und Grenzen der Quellen

Die ursprüngliche Identität des Wani: Hai, Krokodil oder Meeresungeheuer?. Philologen der archaischen Literatur des „Kojiki“ wie Donald L.

Spätere Rezeption

Ryūjin gehört zu den beliebtesten und faszinierendsten Gestalten der gesamten japanischen Volkskunde und Massenkultur.

Belegte Besonderheiten

Der kohlenstoffhaltige Asteroid 162173, der 2018 von der japanischen Hayabusa2-Mission erfolgreich beprobt wurde, um urzeitliches Material aus dem Weltraum zu gewinnen, erhielt offiziell den Namen „Ryugu“ zu Ehren des m…

Reliquien der Macht

Gezeitenjuwelen Zwei magische Juwelen, die das Steigen und Fallen der Gezeiten nach dem Willen ihres Trägers lenken. Sammlerstück aus Codex Mythologia, inspiriert von den Attributen der Gottheit.

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Quellen und Literatur

Primärquellen

  • O no Yasumaro (太安万侶), Kojiki (古事記 / Records of Ancient Matters), Buch 1 (Abschnitte 6, 11 und 40 bis 44). Donald L. Philippi, Kojiki: Translated with an Introduction and Notes, Princeton University Press / University of Tokyo Press, 1968. Quelle ansehen
  • Prinz Toneri (舎人親王) et al., Nihon Shoki (日本書紀 / Chronicles of Japan), Bücher 1, 2 und 9. W. G. Aston, Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to A.D. 697, Tuttle Publishing, 1972 (orig. 1896). Quelle ansehen
  • Verschiedene kaiserliche Dichter (Takahashi no Mushimaro et al.), Man'yōshū (万葉集 / Collection of Ten Thousand Leaves), Buch 9 (Gedicht 1740). Edwin A. Cranston, A Waka Anthology: Volume One: The Gem-Glistening Cup, Stanford University Press, 1993. Quelle ansehen
  • Fujiwara no Tadahira (藤原忠平) et al., Engishiki (延喜式), Bücher 9 und 10 (Jinmyocho). Felicia G. Bock, Engi-shiki: Procedures of the Engi Era (Books VI-X), Sophia University, Tokio, 1972. Quelle ansehen

Studien und Literatur

  • Carmen Blacker, The Catalpa Bow: A Study of Shamanistic Practices in Japan. George Allen & Unwin / Routledge, 1975. Quelle ansehen
  • Michael Como, Weaving and Binding: Immigrant Gods and Female Immortals in Ancient Japan. University of Hawaii Press, 2009. Quelle ansehen
  • Nelly Naumann, Whale and Fish Cult in Japan: A Basic Feature of Ebisu Worship. Asian Folklore Studies, 1974. Quelle ansehen
  • Delmer M. Brown, The Cambridge History of Japan, Volume 1: Ancient Japan. Cambridge University Press, 1993. Quelle ansehen
  • Allan G. Grapard, The Protocol of the Gods: A Study of the Kasuga Cult in Japanese History. University of California Press, 1992. Quelle ansehen