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CodexMythologia
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Porträt von Anjea, Gottheit der Aborigines
Aborigines

Anjea

Der Geist der Fruchtbarkeit

Bereich
Fruchtbarkeit, Geburt, Seelen
Ausrichtung
Neutral und Gut
Element
Erde
Relikt
Nabelschnur der Erde
Mit Anjea sprechen

Mythologische Studie · Deutsch

Überarbeitet am

01

In Kürze

Anjea ist eine zentrale ahnengeistige Instanz in der Kosmologie und Reproduktionsontologie der indigenen Nggerikudi (Yupngayth oder Yupungathi), der traditionellen Bewohner der Mündung und des Einzugsgebiets des Pennefather River an der Westküste der Kap-York-Halbinsel im äußersten Norden Queenslands, Australien. Vom britischen Arzt und Ethnographen Walter E. Roth zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausführlich dokumentiert und später von Klassikern der anthropologischen Theorie wie James George Frazer und Émile Durkheim analysiert, lehrt die mündliche Überlieferung, dass Anjea ein den Lebenden unsichtbares Wesen ist, das die Entstehung der Kinder und die generationenübergreifende Zirkulation der Seelen lenkt. Nach dem Denken der Nggerikudi wird die menschliche Empfängnis nicht als rein mechanisches, streng biologisches Ergebnis des Beischlafs verstanden, sondern als schöpferisches geistiges Werk: Anjea formt die Säuglinge aus feuchtem Lehm und Flusssand und setzt sie in den Leib der künftigen Mütter ein. Bei der Geburt verbleibt ein lebenswichtiger Teil der Seele des Kindes, choi genannt, in der Plazenta (an-jii). Die Angehörigen begraben die Nachgeburt sorgfältig in den Flussdünen und markieren das Versteck mit einem Kegel aus Stöcken. Wenn Anjea den Ort passiert, holt sie diesen seelischen Anteil heraus und legt ihn in heiligen Verstecken der Natur ab, etwa in hohlen Baumstämmen, Felsspalten oder Süßwasserlagunen, wo er jahrelang wartet, bis die Person stirbt. Dann holt Anjea das choi zurück, um ein neues Kind zu formen, und sichert so die Unsterblichkeit und die fortwährende Wiedergeburt der Clanmitglieder.

02

Das Volk

Volk
Australische Aborigines
Region
Australien
Zeitraum
vor 65.000 Jahren – Gegenwart

Die Urwesen der Traumzeit werden von den australischen Aborigines verehrt, möglicherweise der ältesten ununterbrochenen Kultur der Erde. Man glaubt, dass diese Wesen während der Traumzeit die Landschaft, die Gesetze und das Leben schufen. Ihre Geschichten werden in Felsmalereien, Gesängen und Ritualen bewahrt, die seit Jahrzehntausenden weitergegeben werden.

Bei den Corroborees werden in Gesängen und Körperbemalungstänzen die Wanderungen der Traumzeit-Ahnen nachgespielt. Die Songlines, Gesangspfade, bilden das heilige Land aus dem Gedächtnis ab, und Orte wie Uluru bleiben lebendige Heiligtümer unter der Obhut ihrer traditionellen Völker.

Name und Originalsprache

Der Theonym Anjea stammt unmittelbar aus der Sprache Nggerikudi, einer indigenen Sprache der Paman-Untergruppe, die früher von den Clans im Einzugsgebiet des Pennefather River (nördlich des heutigen Ortes Weipa) gesproc…

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Belegte Beinamen

Former der Kinder aus Lehm Anspielung auf ihre schöpferische Rolle, die Körper der Neugeborenen aus Schlamm und Sand zu modellieren, bevor sie in den Mutterleib eingesetzt werden. Walter E.

In den antiken Quellen

North Queensland Ethnography, Bulletin No. 5: Superstition, Magic, and Medicine, 1903. Walter E. Roth veröffentlicht den grundlegenden Feldbericht, der Anjea, das Begraben der Nachgeburt und die choi-Seelenlehre am Penn…

Die Mythen

Das Formen des Kindes aus Lehm und sein Einsetzen in den Mutterleib. Nach den Überlieferungen, die Walter Roth bei den Ältesten der Nggerikudi sammelte, beginnt die Entstehung eines neuen Menschenlebens, wenn Anjea besc…

Kult und Archäologie

Der Kult und die mit Anjea verbundenen Ritualpraktiken unterscheiden sich von öffentlichen Zeremonien mit prächtigen Tänzen und Maskenvorführungen.

Ikonografie

Anders als viele andere australische Mythenwesen, die zahlreich auf Felsmalereien oder geschnitzten Ritualtafeln erscheinen, wird Anjea in den Primärquellen als durchweg unkörperlich und für gewöhnliche menschliche Auge…

09

Heilige Symbole

Der Lehm, die Nabelschnur, der Sumpf und der Baum

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Familie und Genealogie

Kinder
Spirit children of the tribe (molded from mud by Anjea and animated with the choi soul preserved from the placenta)

Walter E. Roth, North Queensland Ethnography: Bulletin No. 5 (1903); James George Frazer, The Golden Bough (1911) and The Belief in Immortality (1913); Bronislaw Malinowski (1913); Émile Durkheim (1912)

Debatten und Grenzen der Quellen

. Walter E. Roths Dokumentation der Anjea löste im frühen 20. Jahrhundert in der Sozialanthropologie heftige Debatten darüber aus, ob die Aborigines Australiens die physiologische Vaterschaft erkannten.

Spätere Rezeption

In der gegenwärtigen akademischen Anthropologie sowie in den Studien zu Geschlecht und indigener Spiritualität wird die Gestalt der Anjea vielfach neu betrachtet, um die Komplexität indigener Vorstellungen von der Perso…

Belegte Besonderheiten

In der globalen Volks- und Vergleichsmedizin wird der Glaube an die Bewahrung der Seele in der Plazenta durch Anjea von Geburtshelfern und Wissenschaftshistorikern häufig als eines der ausgereiftesten Beispiele ursprüng…

Reliquien der Macht

Nabelschnur der Erde Das Band zwischen Neugeborenem und Boden, im Geheimen bewahrt, um die zur Erde zurückkehrende Seele zu schützen. Sammlerstück aus Codex Mythologia, inspiriert von den Attributen der Gottheit.

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Quellen und Literatur

Primärquellen

  • Roth, Walter E., Superstition, Magic, and Medicine (North Queensland Ethnography, Bulletin No. 5). Brisbane: Government Printer, 1903 (reprinted in Records of the Australian Museum). Quelle ansehen
  • Hey, Rev. Nicholas & Roth, Walter E., An Elementary Grammar of the Nggerikudi Language (North Queensland Ethnography, Bulletin No. 6). Brisbane: Government Printer, 1903. Quelle ansehen
  • Frazer, Sir James George, The Golden Bough: A Study in Magic and Religion (Part 1: The Magic Art and the Evolution of Kings, Vol. 1). London: Macmillan and Co., 1911. Quelle ansehen
  • Frazer, Sir James George, The Belief in Immortality and the Worship of the Dead (Vol. 1: The Belief Among the Aborigines of Australia). London: Macmillan and Co., 1913. Quelle ansehen

Studien und Literatur

  • Malinowski, Bronislaw, The Family among the Australian Aborigines: A Sociological Study. London: University of London Press, 1913. Quelle ansehen
  • Durkheim, Émile, The Elementary Forms of the Religious Life. London: George Allen & Unwin, 1915. Quelle ansehen
  • Róheim, Géza, The Eternal Ones of the Dream: A Psychoanalytic Interpretation of Australian Myth and Ritual. New York: International Universities Press, 1945. Quelle ansehen
  • Isaacs, Jennifer, Australian Dreaming: 40,000 Years of Aboriginal History. Sydney: Lansdowne Press, 1980. Quelle ansehen