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CodexMythologia
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Porträt von Kagutsuchi, japanische Gottheit
Japanisch

Kagutsuchi

Der Gott des Feuers

Bereich
Feuer, Schmiede
Ausrichtung
Chaotisch neutral
Element
Feuer
Relikt
Verschlingende Flamme

Mythologische Studie · Deutsch

Überarbeitet am

01

In Kürze

Kagutsuchi (火之迦具土神 / Hi-no-Kagutsuchi-no-Kami, im Nihon Shoki auch als 軻遇突智 geschrieben und liturgisch als 火産霊 / Homusubi-no-Kami angerufen) ist das shintoistische Kami, das in Japan das elementare Feuer, die zerstörerische Verbrennung, die Metallverarbeitung der Schmiedekunst und die Reinigung durch Feuer verkörpert. Seine mythische Erzählung nimmt im «Kojiki» (712 n. Chr.) und im «Nihon Shoki» (720 n. Chr.) einen tragischen und entscheidenden Platz ein: Seine glühende Geburt verursachte seiner Mutter, der urzeitlichen Göttin Izanami, tödliche Verbrennungen an den Genitalien, was den ersten Tod des Universums auslöste und ihren Abstieg in die unterirdische Welt der Schatten (Yomi-no-kuni) zur Folge hatte. Von unbändigem Schmerz ergriffen, enthauptete der kosmische Vater Izanagi Kagutsuchi mit dem heiligen zehn Spannen langen Schwert Totsuka-no-tsurugi (Ame-no-ohabari). Aus dem Blut, das von Spitze, Klinge und Griff der Waffe spritzte, entstanden acht kriegerische und flussbezogene Gottheiten ersten Ranges (darunter der kriegerische Donnergott Takemikazuchi und der Drache der tiefen Gewässer Kuraokami), während aus seinen abgetrennten Gliedern die acht Schutzgottheiten der vulkanischen Gebirgszüge (Yamatsumi) hervorgingen. In einer Zivilisation aus Holz und Papier als verheerende Macht gefürchtet, wurde das Kami vom Kaiserhof von Heian durch das staatliche Ritual Ho-shizume no Matsuri (Ritual zur Befriedung des Feuers, überliefert im «Engishiki») förmlich besänftigt; es wird am Atago-Schrein auf dem Gipfel des Atago-Berges und am Akiba-Schrein als oberster Wächter gegen Waldbrände und städtische Katastrophen verehrt.

02

Das Volk

Volk
Japaner
Region
Japanischer Archipel
Zeitraum
um 500 v. Chr. – Gegenwart

Die Kami des Shintō werden in Japan seit undenklichen Zeiten verehrt, in Tausenden von Schreinen auf dem ganzen Archipel. Die Kaiserfamilie beansprucht direkte Abstammung von der Sonnengöttin Amaterasu, und der Kult lebt neben dem vom Festland gekommenen Buddhismus weiter. Feste (Matsuri) und Reinigungsriten halten diesen Glauben bis heute lebendig.

Die Matsuri füllen die Straßen mit Prozessionen tragbarer Schreine (Mikoshi), Trommeln und Tänzen. Der große Schrein von Ise, Amaterasu geweiht, wird alle zwanzig Jahre neu errichtet, und beim Hatsumōde besuchen Millionen zum Neujahr die Schreine, um Segen zu erbitten.

Name und Originalsprache

Der altehrwürdige heilige Gottesname Hi-no-Kagutsuchi-no-Kami (火之迦具土神) setzt sich aus grundlegenden klassischen Begriffen zusammen: «Hi» (火) bedeutet «Feuer» oder «lebendige Flamme», «kagu» geht auf alte Verbwurzeln zur…

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Belegte Beinamen

Homusubi-no-Kami (火産霊神) Der Geist, der das Feuer erzeugt und ursprünglich hervorbringt; kanonische liturgische Bezeichnung in den staatlichen Gebeten der Norito am kaiserlichen Hof von Kyoto.

In den antiken Quellen

Kojiki (古事記), 712 n. Chr.. Verfasst von O no Yasumaro; schildert die tödlichen Verbrennungen Izanamis, die Enthauptung Kagutsuchis durch Izanagi und die achtzehn Gottheiten, die aus seinem Blut und seinen zerstückelten…

Die Mythen

Die glühende Geburt und der tragische Tod Izanamis. Das «Kojiki» (Abschnitt 7) berichtet, dass die urzeitlichen Demiurgen Izanagi und Izanami nach der Erschaffung der Inseln des japanischen Archipels und der Gottheiten…

Kult und Archäologie

Die Verehrung Kagutsuchis in den Gestalten Homusubi-no-Kami und Atago Daigongen entwickelte sich zu einer der inbrünstigsten gemeinschaftlichen Andachten im ganzen traditionellen Japan, angetrieben von der ständigen Fur…

Ikonografie

In der Plastik der shintoistischen Schreine und in den synkretistischen Schriftrollen des Shugendo variiert die Darstellung Kagutsuchis je nach Tradition.

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Heilige Symbole

Die Flammen, die Schmiede, das Schwert und das zeugende Blut

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Familie und Genealogie

Eltern
Izanagi-no-Mikoto (primordial demiurge who wielded the Totsuka-no-tsurugi sword), Izanami-no-Mikoto (creator goddess who suffered fatal burns during the birth of fire)
Geschwister
Deities generated by the primordial couple (the Japanese islands, kami of seas, rivers, winds, and mountains)
Kinder
Takemikazuchi-no-kami (kami of thunder and martial weapons, born from Kagutsuchi's blood on the blade), Kuraokami-no-kami (dragon kami of rain and dark mountain valleys, born from blood dripping from the hilt), The eight mountain guardian kami (Masakayamatsumi, Odakayamatsumi, etc., born from his severed body)

Kojiki 1.7-8; Nihon Shoki 1.17-21 (Jindai Jo); Engishiki 8 (Ho-shizume no Matsuri)

Debatten und Grenzen der Quellen

Die mythische Doppelnatur des Feuers: urzeitliche Zerstörung gegen schöpferische Metallurgie. Religionswissenschaftler der vergleichenden japanischen Religion wie Nelly Naumann und Delmer M.

Spätere Rezeption

Die Gegenwart Kagutsuchis ist in der Kultur und in den Praktiken der häuslichen Brandsicherheit im heutigen Japan allgegenwärtig.

Belegte Besonderheiten

Das Schutzamulett «Hi no yojin», das der Atago-Schrein von Kyoto ausgibt, gilt in der volkstümlichen Überlieferung als so wirksam, dass es alle drei Jahre erneuert werden muss; es wird an der höchsten Stelle der Küchenw…

Reliquien der Macht

Verschlingende Flamme Das lodernde Feuer, dessen Geburt seine eigene Mutter das Leben kostete und aus dessen Blut neue Götter hervorgingen. Sammlerstück aus Codex Mythologia, inspiriert von den Attributen der Gottheit.

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Quellen und Literatur

Primärquellen

  • O no Yasumaro (太安万侶), Kojiki (古事記 / Records of Ancient Matters), Buch 1 (Abschnitte 7 und 8). Donald L. Philippi, Kojiki: Translated with an Introduction and Notes, Princeton University Press / University of Tokyo Press, 1968. Quelle ansehen
  • Prinz Toneri (舎人親王) et al., Nihon Shoki (日本書紀 / Chronicles of Japan), Buch 1 (Jindai Jo, Abschnitte 17 bis 21). W. G. Aston, Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to A.D. 697, Tuttle Publishing, 1972 (orig. 1896). Quelle ansehen
  • Fujiwara no Tadahira (藤原忠平) et al., Engishiki (延喜式), Buch 8 (Norito, Ho-shizume no Matsuri) und Bücher 9–10 (Jinmyocho). Felicia G. Bock, Engi-shiki: Procedures of the Engi Era (Bücher VI-X), Sophia University, Tokio, 1972. Quelle ansehen
  • Provinzregierung von Izumo (出雲国司), Izumo no Kuni Fudoki (出雲国風土記). Michiko Y. Aoki, Records of Wind and Earth: A Translation of Fudoki with Introduction and Commentaries, Association for Asian Studies, 1997. Quelle ansehen

Studien und Literatur

  • Carmen Blacker, The Catalpa Bow: A Study of Shamanistic Practices in Japan. George Allen & Unwin / Routledge, 1975. Quelle ansehen
  • Delmer M. Brown, The Cambridge History of Japan, Volume 1: Ancient Japan. Cambridge University Press, 1993. Quelle ansehen
  • Nelly Naumann, Japanese Prehistory: The Material and Spiritual Culture of the Jomon Period. Asiatische Studien / Harrassowitz Verlag, 2000. Quelle ansehen
  • Michael Como, Weaving and Binding: Immigrant Gods and Female Immortals in Ancient Japan. University of Hawaii Press, 2009. Quelle ansehen
  • Mark Cartwright, Kagutsuchi. World History Encyclopedia, 2017. Quelle ansehen