Zum Inhalt springen
CodexMythologia
← Zurück zum Kodex
Porträt von Kanaloa, polynesische Gottheit
Polynesisch

Kanaloa

Der Gott des Ozeans

Bereich
Ozean, Seefahrt & Heilung
Ausrichtung
Reines Neutral
Element
Wasser
Relikt
Heiliger Krake
Mit Kanaloa sprechen

Mythologische Studie · Deutsch

Überarbeitet am

01

In Kürze

Kanaloa ist eine der vier großen souveränen Gottheiten (nā akua nui) des traditionellen hawaiianischen Pantheons und bildet mit Kāne, Kū und Lono die kosmische Tetrade. In der archaischen Religion des Archipels herrscht Kanaloa über die abgründigen Tiefen des Ozeans (moana), die Meeresströmungen, die Routen der Fernnavigation und die Heilung von Krankheiten, die der Zauberei zugeschrieben wurden. In den mündlichen Überlieferungen erscheint er eng mit Kāne verbunden: Beide Götter kommen gemeinsam aus Kahiki, wandern über Küsten und Gebirge des Archipels, inspizieren Dörfer, pflanzen Nahrungsmittel und öffnen auf schroffen Felsen dauerhafte Süßwasserquellen für die Zubereitung ihres rituellen ʻawa-Getränks. Seine bekannteste sichtbare Gestalt oder tierische Erscheinungsform (kinolau) ist der Oktopus oder Tintenfisch (heʻe), der besonders in medizinischen Liturgien angerufen wurde, um am Körper des Kranken haftende Übel herauszuziehen. In astronomischer und geografischer Hinsicht galten der südliche Wendekreis der Sonne und der westliche Horizont als heilige Wege Kanaloas, während die Insel Kahoʻolawe, einst Kohemālamalama o Kanaloa genannt, das wichtigste zeremonielle Zentrum zur Unterweisung polynesischer Navigatoren war.

02

Das Volk

Volk
Polynesische Völker
Region
Inseln des Pazifiks
Zeitraum
um 1000 v. Chr. – Gegenwart

Die polynesischen Götter wurden von den Seefahrern verehrt, die die Inseln des Pazifiks besiedelten, von Hawaii bis Neuseeland und zur Osterinsel. Man ehrte sie auf heiligen Plattformen (Marae) und im Konzept des Mana, der geistigen Kraft. Ihre Mythen, etwa die des Helden Maui, werden noch heute unter Maori und Hawaiianern erzählt.

Auf den Marae, heiligen Steinplattformen, brachten Priester Erstlingsgaben dar und riefen die Götter vor Fischfang und Krieg an. Das Kapu-System (Tabu) regelte, was heilig und verboten war, und auf Hawaii entstand der Hula als religiöser Tanz für Göttinnen wie Pele und Laka.

Name und Originalsprache

Der hawaiianische Gottesname Kanaloa ist das direkte Kognat des maorischen Tangaroa, des tahitischen Taʻaroa, des marquesanischen Tanaʻoa (oder Takaʻoa) und des samoanischen und tongaischen Tagaloa, die alle vom urpolyn…

The rest of this scroll is sealed

The legends, the myth, the cult and relics are part of the full Codex. You can open 1 full entry for free every day; to open all 500 deities with no limits and no ads, subscribe to Codex PRO.

See Codex PROGet it on Google Play

Belegte Beinamen

Kanaloa-heʻe Kanaloa des Oktopus, Aspekt der Herrschaft über die Kopffüßer und der Heilanrufungen. David Malo, Hawaiian Antiquities (1903) Ka-heʻe-hauna-wela Der Oktopus mit durchdringendem Geruch, kosmogonische Manifes…

In den antiken Quellen

Kumulipo: An Hawaiian Creation Chant, ca. 1700 / Übers. 1897 Liliuokalani, 1951 Beckwith. Kosmogonischer Gesang, der Kanaloa am Morgen des Menschenzeitalters unter dem zoologischen Epitheton des großen Ur-Oktopus einfüh…

Die Mythen

Das Auftauchen im kosmogonischen Gesang des Kumulipo. Im achten Abschnitt (wā) des Genealogiegesangs Kumulipo vollzieht sich der feierliche Übergang zwischen der urzeitlichen Nacht (pō) und der Zeit des Lichts und der M…

Kult und Archäologie

Der traditionelle Kult um Kanaloa gründete sich nicht auf kriegerische Tempel mit Menschenopfern, sondern auf Heiligtümer der Heilung, Küstenaltäre und Anlagen, die er mit Kāne teilte.

Ikonografie

Anders als Figuren mit aggressiven Kriegszügen wurde Kanaloa in der hawaiianischen Kultkunst selten als isolierte anthropomorphe Gestalt dargestellt.

09

Heilige Symbole

Der Krake, der Tintenfisch, der tiefe Ozean und das Kanu

10

Familie und Genealogie

Geschwister
Kāne (god of celestial light and life, constant companion in travels and rites), Kū (member of the great primordial Hawaiian tetrad), Lono (god of agriculture and seasonal fertility)

Kumulipo (Wā 8); David Malo, Moolelo Hawaii (1898/1903); Samuel M. Kamakau, Ka Po'e Kahiko (1964); Martha Beckwith, Hawaiian Mythology (1940); Abraham Fornander, An Account of the Polynesian Race (1878-1880)

Debatten und Grenzen der Quellen

Die missionarische Dämonisierung und die falsche Gleichsetzung mit Luzifer. Forscher wie Martha Beckwith und Valerio Valeri haben gezeigt, dass die Darstellung Kanaloas als böse oder dem christlichen Teufel gleichwertig…

Spätere Rezeption

In der zeitgenössischen hawaiianischen Kulturrenaissance wurde Kanaloa zu einem Urwappen indigener Souveränität und ökologischen Schutzes.

Belegte Besonderheiten

Die alte hawaiianische Himmelskarte bezeichnete die südliche Grenze der scheinbaren Sonnenbahn als „Ke alanui polohiwa a Kanaloa“ (der dunkle und glänzende Weg Kanaloas), was astronomisch der Wintersonnenwende auf der N…

Reliquien der Macht

Heiliger Krake Der Krake, seine heilige Gestalt, Sinnbild der Herrschaft über die Tiefen und die Seefahrt. Sammlerstück aus Codex Mythologia, inspiriert von den Attributen der Gottheit. Kein historisches Artefakt.

15

Quellen und Literatur

Primärquellen

  • Malo, David, Hawaiian Antiquities (Moolelo Hawaii). Translated from Hawaiian by Nathaniel Bright Emerson. Honolulu: Hawaiian Gazette Co., 1903. Quelle ansehen
  • Kamakau, Samuel Manaiakalani, Ka Po'e Kahiko: The People of Old. Translated from Hawaiian by Mary Kawena Pukui; edited by Dorothy B. Barrère. Honolulu: Bishop Museum Press, 1964. Quelle ansehen
  • Emerson, Nathaniel Bright, Unwritten Literature of Hawaii: The Sacred Songs of the Hula. Washington, D.C.: Government Printing Office / Smithsonian Institution Bureau of American Ethnology Bulletin 38, 1909. Quelle ansehen
  • Fornander, Abraham, An Account of the Polynesian Race: Its Origins and Migrations. London: Trübner & Co., 1878-1880 (Vols. I-II). Quelle ansehen

Studien und Literatur

  • Beckwith, Martha Warren, Hawaiian Mythology. New Haven: Yale University Press, 1940. Quelle ansehen
  • Valeri, Valerio, Kingship and Sacrifice: Ritual and Society in Ancient Hawaii. Chicago: University of Chicago Press, 1985. Quelle ansehen
  • Handy, E. S. Craighill; Pukui, Mary Kawena, The Polynesian Family System in Ka-'u, Hawai'i. Wellington: The Polynesian Society, 1958. Quelle ansehen
  • Kirch, Patrick Vinton, How Chiefs Became Kings: Divine Kingship and the Rise of Archaic States in Ancient Hawaii. Berkeley: University of California Press, 2010.