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CodexMythologia
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Porträt von Sedna, nordamerikanische Gottheit
Indigene Nordamerikas

Sedna

Meeresmutter

Bereich
Meer, Jagd, Lebensunterhalt
Ausrichtung
Neutral
Element
Wasser
Relikt
Das Haar der Tiefen
Mit Sedna sprechen

Mythologische Studie · Deutsch

Überarbeitet am

01

In Kürze

Sedna (im östlichen Inuktitut dialektal als Sanna wiedergegeben und bei den Netsilik als Nuliajuk sowie in der Region Iglulik als Takannaaluk verehrt) ist die oberste und gefürchtete Herrin der Meerestiefen in der Kosmologie und im religiösen Leben der Inuit. Nach den wegweisenden ethnographischen Zeugnissen, die der Anthropologe Franz Boas auf der Baffin-Insel und der Forscher Knud Rasmussen während der Fünften Thule-Expedition festgehalten haben, war Sedna ursprünglich eine junge Jägerin, die menschliche Freier abwies, bis sie sich durch den kunstvollen Gesang eines Eissturmvogels (Fulmar) verführen ließ, der sich als vornehmer Jäger verkleidet hatte. Auf eine unwirtliche Insel entführt und in ein übelriechendes Federnest gesperrt, wurde sie von ihrem Vater in einem Fellboot (umiaq) gerettet. Der erboste Vogel rief mit den Flügeln über den Wellen einen gewaltigen Meersturm hervor. Von blindem Entsetzen angesichts des drohenden Schiffbruchs ergriffen, warf der Vater seine Tochter in die aufgewühlte See; als sie sich verzweifelt am Bootsrand festklammerte, schlug er ihr nacheinander mit einem Knochenmesser die Fingerglieder ab. Aus den Fingerspitzen entstanden die Ringelrobben (netseq), aus den mittleren Gliedern die Bartrobben (ugjuk), und aus den Handflächen und den übrigen Knöcheln Walrosse (aivik) und nördliche Wale (arveq). Vom eisigen Abgrund verschlungen, herrschte Sedna fortan auf dem Meeresgrund (Adlivun), wo sie eine Wohnstatt bewohnt, die ein wilder Hund bewacht. Wenn menschliche Jäger Nahrungstabus (aglerneq) verletzen oder die Regeln für Totenriten und Menstruation missachten, verwandeln sich moralische Verunreinigungen in dichten Schmutz und Parasiten, die sich in ihrem Haar festsetzen. Da sie keine Finger hat, um die Zöpfe zu entwirren, gerät Sedna in Zorn und sperrt die Meerestiere in ihrer unterirdischen Kammer ein, sodass Hunger über die Lager kommt. Das ökologische Gleichgewicht der Arktis hing streng vom Mut des Schamanen (angakuq) ab, der in einen kataleptischen Trancezustand fiel, um eine gefährliche Geistreise in die Tiefe des Ozeans zu unternehmen, die Göttin zu besänftigen und ihr Haar mit Kämmen aus Elfenbein zu kämmen.

02

Das Volk

Volk
Indigene Völker Nordamerikas
Region
Nordamerika
Zeitraum
vorkolonial – Gegenwart

Diese Geister und Gottheiten wurden von den vielen indigenen Völkern Nordamerikas verehrt, von den Lakota über die Navajos bis zu den Irokesen. Ihre Glaubensvorstellungen verbinden den Menschen mit dem Großen Geist, mit den Totemtieren und mit dem Gleichgewicht der Erde. Mündlich überliefert, leben sie in den indigenen Nationen fort, die der Kolonisierung widerstanden haben.

Der Sonnentanz versammelte die Nationen der Ebenen zu Fasten und Opfer um den heiligen Baum. Die Hopi tanzen mit den Kachinas, maskierten Geistern des Regens, und die heilige Pfeife besiegelt Gebete und Verträge. Diese Zeremonien leben in den heutigen Nationen weiter.

Name und Originalsprache

Der Gottesname Sedna verbreitete sich in der anthropologischen Literatur durch die Berichte, die Franz Boas Ende des 19. Jahrhunderts bei den Oqomiut und Akudnirmiut der Cumberland-Bucht sammelte.

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Belegte Beinamen

Sanna / Sedna (Die Herrin des Meeresgrunds) Gebräuchliche Bezeichnung bei den Gruppen von Baffin Land und Cumberland Sound. Franz Boas, The Central Eskimo (1888, S. 583).

In den antiken Quellen

The Central Eskimo, 1888 n. Chr.. Franz Boas’ grundlegende ethnographische Monographie mit der ausführlichen Wiedergabe des Mythos von Sedna und dem Eissturmvogel in der Cumberland-Bucht sowie der Beschreibung des herbs…

Die Mythen

Die Ehe mit dem Eissturmvogel und das Abtrennen der Fingerglieder. In der kanonischen Erzählung, die Franz Boas in der Cumberland-Bucht aufgezeichnet hat, lebte Sedna mit ihrem verwitweten Vater an einem einsamen Ufer u…

Kult und Archäologie

Die religiöse Praxis der Inuit um Sedna kannte keine festen Tempel, keine monumentalen Altäre und keine regelmäßigen Opfergaben, da solche Strukturen mit der mobilen Lebensweise in hohen Breiten unvereinbar waren.

Ikonografie

In der materiellen Kultur der Inuit und in der klassischen Schnitzkunst aus Knochen, fossilem Walrosselfenbein und Speckstein (Steatit) wird Sedna als imposante Frauengestalt dargestellt, die menschliche und maritime Zü…

09

Heilige Symbole

Die Robbe, die eisigen Wellen, die abgeschnittenen Finger und das schwarze Haar

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Familie und Genealogie

Eltern
Anguta (also recorded as Savirqong in Baffin Land and Cumberland Sound traditions; hunter patriarch who severed his daughter's finger joints during the storm)
Verbindungen
The Northern Fulmar / Petrel (Qaqoqadluk in Baffin traditions recorded by Boas; seabird transformed into a handsome hunter who lured her to his oceanic cliff nest), The Primordial Dog (in Central and Eastern Arctic traditions, primeval canine husband with whom she cohabited, generating human nations and spirits)
Kinder
Arctic marine mammals: ringed seals (netseq), bearded seals (ugjuk), walruses (aivik), and whales (arveq), springing from her severed finger joints as they fell into the icy brine

Franz Boas, The Central Eskimo (1888, pp. 583–587) e The Eskimo of Baffin Land and Hudson Bay (1901, pp. 163–165); Knud Rasmussen, Intellectual Culture of the Iglulik Eskimos (1929, pp. 62–98); Henry Rink, Tales and Traditions of the Eskimo (1875, pp. 40–42)

Debatten und Grenzen der Quellen

. In der Anthropologie und der Religionsgeschichte haben namhafte Autoren wie Marcel Mauss („Versuch über die jahreszeitlichen Variationen der Eskimo-Gesellschaften“), Claude Lévi-Strauss und Jarich Oosten den Mythos vo…

Spätere Rezeption

Sedna ist über die mündliche Überlieferung hinausgewachsen und zu einer der meistgefeierten Ikonen der internationalen indigenen Literatur und Kunst geworden.

Belegte Besonderheiten

Im Jahr 2003 tauften die Astronomen Michael E. Brown, Chad Trujillo und David L. Rabinowitz offiziell einen der entferntesten Himmelskörper des Sonnensystems, den transneptunischen Planetoiden 90377 Sedna, zu Ehren der…

Reliquien der Macht

Das Haar der Tiefen Das lange, verfilzte Haar, in dem sich die Meerestiere verfangen, die sie nach ihrem Willen freigibt oder zurückhält. Sammlerstück aus Codex Mythologia, inspiriert von den Attributen der Gottheit.

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Quellen und Literatur

Primärquellen

  • Boas, Franz, The Central Eskimo (Sixth Annual Report of the Bureau of Ethnology). Government Printing Office, Washington, DC, 1888. Quelle ansehen
  • Rasmussen, Knud, Intellectual Culture of the Iglulik Eskimos (Report of the Fifth Thule Expedition 1921-24, Vol. VII, No. 1). Gyldendalske Boghandel, Nordisk Forlag, Copenhagen, 1929. Quelle ansehen
  • Rink, Henry, Tales and Traditions of the Eskimo: With a Sketch of Their Habits, Religion, Language and Other Peculiarities. William Blackwood and Sons, Edinburgh and London, 1875. Quelle ansehen

Studien und Literatur

  • Boas, Franz, The Eskimo of Baffin Land and Hudson Bay (Bulletin of the American Museum of Natural History, Vol. XV). American Museum of Natural History, New York, 1901. Quelle ansehen
  • Laugrand, Frédéric & Oosten, Jarich, Inuit Shamanism and Christianity: Transitions and Transformations in the Twentieth Century. McGill-Queen's University Press, Montreal & Kingston, 2010. Quelle ansehen